Momente formen Erinnerungen

04.08./05.08.2023

Es ist Samstag und Wochenende. Ich habe die zweite Schulwoche erfolgreich abgeschlossen. Meinen Test habe ich gestern mit einem Excellent und einem bunten Sticker zurückbekommen. Unsere Lehrerin versteht etwas von Motivation.😉

Nach der Schule hatte ich noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Nämlich eine Folie für mein Handy zu finden. Die alte hatte ich versehentlich bei einem Stuhlbein-auf-Smartphone-stellen-Unfall zerstört. „Kann doch kein Problem sein“, dachte ich noch bei mir. Kann es aber! Mein drei Jahre altes Handy ist für Vancouver-Verhältnisse offenbar zu alt. Kein Laden hatte eine passende Folie im Sortiment. Ein kleiner Laden im Pacific Center – einem Einkaufszentrum in der Innenstadt – wurde mir empfohlen. Und siehe da: läuft. Die Verkäuferin tippte kurz meine Samsung Version in ihr Tablet und schon schnitt der Drucker meine Folie zu. Die wurde dann auch gleich aufgeklebt. Die Ernüchterung kam dann mit der Rechnung: 50 (!!) CAD. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich jetzt ärgern oder laut lachen soll. Ich tat weder das eine noch das andere, sondern zückte ohne weiter nachzudenken meine Kreditkarte. Half ja alles nix. Und ratsch ratsch war ich um 50 Dollar ärmer. Leider hielt das Luxusteil überhaupt nicht, was es versprach. Kaum war ich oben auf der Rolltreppe, lösten sich auch schon die ersten Teile. Also gleich umgedreht und die Rolltreppe wieder runter, um bei der Kaugummi kauenden Frau zu reklamieren. Die hat mir erst mal versucht zu erklären, dass das an meinem Cover liegt und sie natürlich nichts dafür kann. Sagen wir es mal so: Ich war nett. Aber durch die Zeilen konnte die Frau folgendes verstehen: „Hey Alte, ich hab gerade f**** 35 € für eine Plastikfolie im Wert von 0,05 € bezahlt. Da will ich 1000 % Qualität. Wenn du nicht sofort was tust und dich kümmerst, dann setzt es was. Aber gewaltig!!!!!“ Sie hat mir dann missmutig die Folie vom Handy entfernt und das Geld zurückerstattet. Ich hatte meine 50 CAD wieder, aber ich stand erneut ohne Folie da. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin jetzt AMAZON Canada Prime-Abonnentin. Drei Folien haben mich 9,99 CAD gekostet und die Folie passt perfekt.

Der Freitagabend war dann nicht weniger aufregend. Seit drei Tagen hatte ich so einen merkwürdigen Geruch im Garten. Zuerst habe ich das auf die Nachbarn geschoben, die jeden Abend irgendwelche Dinge auf ihren Grill werfen. Aber da heute nicht gegrillt wurde und der Gestank immer wieder kam, musste es etwas anderes sein. Ich habe das Übel auch gefunden. Eine tote Maus direkt gegenüber im Garten. Mein Vermieter hat mir dann auch gleich per WhatsApp durchgegeben, wo ich eine Schaufel finden und das Ding entsorgen kann. Aus seiner Wohnung direkt über mir hat er sich aber nicht blicken lassen. Aber selbst ist die Frau. Schaufel in die Hand, Luft anhalten, Maus aufladen und so schnell es geht damit durch den Garten rennen und entsorgen. Jetzt kann ich endlich wieder durchatmen.

So, und nun zu heute. Der Tag hat mich mal wieder mit Sonne und blauem Himmel empfangen. Ich habe wirklich so arg Glück mit dem Wetter hier in Kanada (Grüße gehen raus an alle, die sich über mich und meine Reise nach RAINCOUVER lustig gemacht haben). Heute war wieder eine größere Tour mit dem Fahrrad angesagt. Eines der letzten Viertel, das mir noch gefehlt hat, ist die Gegend im Westen und um die UBC (University of British Columbia).

Aber zuerst stand der nächste Farmers Market auf dem Programm. Heute im West End. Wieder war ich begeistert von den Farben und Gerüchen. Eine ganz andere Atmosphäre als letzte Woche und heute standen die Marktstände nicht in der Nähe eines Sees, sondern umgeben von schönen bunten Gärten mit allerlei Blumen, Obst und Gemüse. Zum Frühstück gab es Eis und Espresso, für unterwegs Obst und Muffins.

Nächstes Ziel: der Pacific Spirit Regional Park. Der Park steht dem Stanley Park in nichts nach. Kurzentschlossen habe ich meine geplante Radtour unterbrochen und bin ein Stück durch den Wald geradelt. Der Wald ist 750 Hektar groß. Durch die unglaublich vielen, hohen Bäume scheint ständig die Sonne durch. Jeder findet hier seine Route: Radfahrer, Jogger, Spaziergänger und Latte-Macchiato-Mütter. Und doch gibt es überall Plätze, um sich auszuruhen und die Stille auf sich wirken zu lassen.

Weiter zur UBC. Das Gelände ist riesig und eine Stadt in der Stadt. Unter der Woche ist natürlich mehr los. Aber auch so habe ich einen guten Eindruck bekommen. Ich glaube, es gibt hier nichts, was man nicht studieren kann. Überall stehen die Häuser der verschiedenen Fachbereiche und Colleges (hab mal nachgeschaut: sieben Fachbereiche und zwei Colleges sind hier angesiedelt). Die Studenten sitzen mit Kaffee im Plastikbecher und aufgeklapptem Laptop in den Cafès (nicht länger als zwei Stunden, gell) oder draußen auf der Wiese beim Lernen mit den anderen Kommilitonen. Die Musikprobe der UBC-Band wurde kurzerhand nach draußen verlegt und die Baseballmannschaft trainierte fleißig ihre Schläge.

Die nächste Station war Wreck Beach. Ein Badestrand im Pacific Spirit Regional Park, der zu den University Endowment Lands gehört. Der Strand war mir schon mehrfach empfohlen worden. Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, die fast 500 Stufen hinunter zu laufen. Wer sich nicht scheut, wird mit einem schönen Sandstrand und angenehmem Wasser belohnt. Der Wreck Beach ist eigentlich ein FFK-Strand. Aber hier ist alles vertreten. Von Nudisten bis hin zu Frauen mit Burka. Da ich heute nicht unendlich viel Zeit hatte, konnte ich leider nicht so lange bleiben.

Den Rückweg habe ich etwas umgeplant, damit ich an den Spanish Banks Stränden vorbeikomme. Die Spanish Banks sind eine Reihe von Stränden am Ufer der English Bay im Stadtteil West Point Grey. Und hier kam echtes Top-Gun-Feeling auf. Hier gibt es Dutzende von Volleyballfeldern, die alle von gutaussehenden Menschen bespielt werden. Der Sommer in Vancouver ist einfach unglaublich schön! Am Strand ist es ziemlich voll. Die Leute kommen in Scharen und Gruppen hierher. Sie feiern Familienfeste, Studentenpartys und und und.

Was ich auch sehr beeindruckend fand: Als ich an den Spanish Banks vorbeikam, war gerade Ebbe. Man konnte gefühlt fast bis nach North Vancouver laufen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Teilweise hatten die Leute ihre Sonnenschirme direkt neben einem Containerschiff aufgespannt. Ein kurioses Bild.

Abends war ich dann mit Puy – meiner spanischen Klassenkameradin – in einem vegetarischen Restaurant (MeeT) in Gastown essen.

Bei all den Geschichten um mich, noch etwas aus den regionalen Nachrichten von heute: Die Waldbrände in BC sind immer noch in vollem Gange. Viele Menschen müssen evakuiert werden und die Feuerwehr ist am Limit. Außerdem hat sich der kanadische Premierminister Trudeau nach 18 Jahren Ehe von seiner Frau getrennt. Aber ich kann nichts dafür. Das schwöre ich!

Ratet mal, wer eben eine tote Maus aus dem Garten getragen hat
Auf dem Weg nach Gastown musste ich über 8 (!!) Minuten warten, bis der Zug die Straße überquert hatte und ich weiterfahren konnte

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