Abenteuer Wohnmobil

30.08.2023

Guten Morgen aus der LKW-Schlange am BC Ferries Terminal in Vancouver. Ich sitze in unserem fahrenden Zweifamilienhaus und warte darauf, dass wir auf eine der nächsten Fähren dürfen. Das wird wahrscheinlich in vier Stunden sein. Aber so habe ich Zeit, mal wieder etwas über die letzten Tage zu schreiben.

Am Samstag ging für mich die Etappe „Daniela allein in Vancouver“ zu Ende. Es war eine aufregende Zeit mit vielen Abenteuern, Neuem und Altem, Alleinsein und Zusammensein mit tollen Menschen aus verschiedenen Kulturen, Erfahrungen (überwiegend positive), Zweifeln und Komfortzonen überschreiten. Ab jetzt heißt es wieder: Erlebnisse mit anderen teilen können, Entscheidungen nicht alleine treffen müssen, aber auch wieder auf andere Rücksicht nehmen und Kompromisse schließen. Ich freue mich riesig auf meine Freunde und trotzdem geht für mich eine ganz besondere Zeit zu Ende.

Am Vormittag war ich auf dem Markt einkaufen und ein wenig am See verweilen. Eine Frau hatte alle Fahrräder mit frischen Blumen geschmückt. So einfach kann man Menschen eine Freude machen. Ich stand eine Weile bei den Fahrradständern und beobachtete, wie die Leute erst überrascht schauten und sich dann ein Lächeln auf ihren Gesichtern ausbreitete. Die Wartezeit bis zur Ankunft von Caro und Felix habe ich wieder im New Brighton Park verbracht. Ein letzter Blick auf die Berge von North Vancouver. Leider haben wir seit zwei Wochen wegen der Waldbrände keine klare Sicht mehr. Aber wir haben Sonne und es ist wieder warm.

Pünktlich wie die Maurer sind meine Freunde aus Frankfurt eingetroffen. Wenn Iceland Air will, kann sie auch pünktlich sein. Da wir nur zwei Tage für Vancouver eingeplant hatten, hatte ich für Caro und Felix zwei Fahrräder ausgeliehen und ein straffes Programm zusammengestellt. Vancouver hat sich wirklich von seiner besten Seite gezeigt. Das Wetter war bombastisch.

Da wir immer noch unschlüssig waren, ob wir unsere geplante Tour durch die Rocky Mountains durchführen oder umplanen sollten, hatte sich meine Vermieterin die Zeit genommen, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Nach einem überschwänglichen Bericht über die Hotspots an der Sunshine Coast und auf Vancouver Island war unsere Entscheidung gefallen. Kurzerhand stornierten wir alle gebuchten Campingplätze sowie die Fähre und machten eine grobe Planung für die nächsten 15 Tage. Ab jetzt heißt es große Freiheit oder first come – first serve. Wir lassen alles auf uns zukommen und schauen, wohin es uns treibt oder wo wir ein freies Plätzchen zum Übernachten finden.

Wir haben ja schon immer milde gelächelt, als Caro uns weißmachen wollte, dass unser Camper over-size hat. Na klar – die Frau ohne Auto hat ja keine Ahnung. Aber als ich das riesige Ding zum ersten Mal in natura sah, traf mich fast der Schlag. Ich weiß wirklich nicht, was uns bei der Buchung geritten hat. Wir haben Platz für sieben (!!) Personen. Das Ding ist 9,10 Meter lang. Flunkyball oder Verstecken spielen wäre hier kein Problem. Wahrscheinlich brauchen wir Walkie-Talkies, um mit dem Fahrer vorne zu kommunizieren.

Statt der angekündigten zwei Stunden dauerte die Einweisung nur 20 Minuten. Einmal Wohnmobil für Anfänger im Schnelldurchlauf. Keine Ahnung, ob wir so kompetent aussahen oder der Mann an der Mietstation sah, dass wir eine Premiumversicherung mit allerlei Extras abgeschlossen hatten. Okay, dann heißt es eben: Learning by doing. Erster Schritt: Losfahren. Ich bin Felix noch heute dankbar, dass er sich wortlos hinters Steuer setzte und losfuhr. Wahrscheinlich hätte ich hinter dem Lenkrad einen Herzinfarkt bekommen, als wir versuchten, durch die engen Straßen Vancouvers zum Supermarkt zu kommen. Der strömende Regen und das Wasser auf den Straßen waren auch nicht gerade hilfreich. So verbrachten wir einen ganzen Tag damit, das Wohnmobil zu holen, durch Vancouver zu navigieren, einzukaufen und uns einzurichten. Und das die ganze Zeit im strömenden Regen. Ich bin sehr froh, dass wir das Angebot unserer Vermieter angenommen haben und noch eine Nacht in der Wohnung geblieben sind. So konnten wir alles in Ruhe erledigen und uns heute auf den Weg zur Fähre machen.

Gestern Abend musste ich mich von meiner Vermieterin verabschieden. Sie sagte: „When it fits, it fits“. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

Heute Morgen um 5.30 Uhr ging es los zur Fähre an die Sunshine Coast. Das erste Abenteuer bestand darin, eine geeignete Tankstelle zu finden, in die wir direkt hineinfahren konnten. Leider waren die ersten beiden Tankstellen für unser Wohnmobil unpassierbar. Die nächste Ernüchterung kam mit der Rechnung. Das Limit für eine Tankfüllung an den Selbstbedienungsterminals liegt bei 200 CAD. Das hatten wir bis auf den letzten Cent ausgereizt, um dann festzustellen, dass unser Tank nicht einmal zu ¾ gefüllt war. Gut, dass wir unseren Umsatz jetzt auf drei verschiedene Kreditkarten verteilen können. Da wir kein Ticket mehr für die Fähre bekommen haben, mussten wir uns in die Schlange der Wartenden einreihen und auf einen Platz warten. Am Ende dieses Berichtes stehen wir nun an erster Stelle und sind gespannt, wie das mit dem Parken auf der Fähre funktioniert. I will keep you posted.

Ob es wohl offiziell erlaubt ist, so große Tiere auf einem Boot mitzuführen?
Mal sehen, wer länger durchhält, ohne zu zwinkern
Der Winter naht
Darf ich vorstellen: unser fahrbarer Untersatz für die nächsten 2,5 Wochen

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Kommentare

Eine Antwort zu „Abenteuer Wohnmobil“

  1. Avatar von Andrea
    Andrea

    Have fun🤩

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