Gemischte Gefühle

18.08.2023

Der Abschluss des heutigen Tages war leider nicht sehr erfreulich. Aber der Reihe nach. Statt Spiele zu spielen, waren wir heute für die zweite Hälfte des Unterrichts in der Bill Reid Gallery of Northwest Coast Art. Sie ist die einzige öffentliche Galerie Kanadas für indigene Kunst der Nordwestküste. Ihre Mission ist es, ein größeres Bewusstsein für indigene Kulturen und Werte zu fördern. Wir bekamen eine 1,5 stündige Führung und sehr viele Hintergrundinformationen zu den einzelnen Künstlern und den verschiedenen indigenen Kulturen. Schade war allerdings, dass wir das Thema (und vor allem Vokabeln) nicht vorher im Unterricht behandelten. So war es oft mühsam, der Führung zu folgen. Dennoch ist die Gallery mit ihren Kunstgegenständen und Bildern auch ohne viel Hintergrundwissen sehr zu empfehlen – vor allem, wenn man sich für die Geschichte Kanadas interessiert.

Mittags haben wir zunächst im Stanley Park Burritos (in meinem Fall zero spicy) gegessen und anschließend bei einem Bier (oder in meinem Fall einer Cola Zero) den Abschied (Farewell) von einigen Mitschülern gefeiert und die vergangenen Wochen ein wenig Revue passieren lassen.

Ich habe ja schon öfter darüber geschrieben, wie gesegnet ich mit meiner Wohnung bin. Heute hat sich das wieder einmal bestätigt. Denn die wenigsten meiner „Freunde“ hier haben eine eigene Küche. Und als mein Schweizer Sitznachbar erwähnte, dass er sehr gerne mal wieder kochen würde, habe ich ihm diesen Wunsch natürlich sehr gerne erfüllt. So bin ich eben! 😊 Schon am Mittwoch überlegten wir, wie wir unser katalanisches Paar Esther und Joseph verabschieden könnten. Und so trafen wir uns am Freitagabend in meiner Wohnung zum Kochen (der Schweizer Sitznachbar) und Essen (der Rest). Und ich konnte endlich die kleine Brauerei (Bomber Breweing) in meiner Nachbarschaft von innen besichtigen und viele schicke bunte Bierdosen kaufen. Fragt bitte nicht, wie ich mit zwei Rucksäcken und meinem Hollandrad den Berg hochgeschneckt bin. Das Essen war wunderbar (gemischter Salat, Tomatensalat, Rosmarien-Backkartoffeln mit Dip und Schokoladenmuffins) und sogar der Backofen kam zum ersten Mal zum Einsatz. Wir saßen draußen, bis es stockfinster war. Was für ein schöner Abend.

Ich habe es mir hier zum Ritual gemacht, morgens oder zumindest einmal täglich die Nachrichten aus Vancouer auf meinem Laptop anzuschauen. Dass es wirklich unfassbar schlimm ist, viele tausend Menschen evakuiert wurden, viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben und die Feuerwehrleute schon deutlich über ihrem Limit sind, habe ich täglich in den Berichterstattungen zu sehen bekommen. Jedoch waren die Brände immer weit weg von hier und haben mich nicht direkt betroffen.

Die letzten zwei Tage fehlte mir die Zeit, Nachrichten zu schauen. Und auch in meiner Schul-Freunde-Bubble waren die Brände und das Drama in den letzten Tagen kein Thema. Deshalb war ich sehr betroffen, als ich von meinen Freunden Artikel mit den schlimmen Bildern aus dem Okanagan Valley – nicht weit weg von hier – bekam. Plötzlich ist alles ganz nah. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, unfassbar große Waldflächen brennen. Der zuständige Minister kämpfte in  der Live-Pressekonferenz mit den Tränen. Auf einmal ist das ziemlich real. Leider ist bzw. war das Okanagan Valley die erste Station auf unserer geplanten Reise und wir haben einige Campingplätze in Hope und Kelowna gebucht. Auch die Straßen zu den Nationalsparks in den Rocky Mountains sind überwiegend gesperrt. Nun heißt es abwarten, was die nächsten Tage bringen und ob wir unsere Tour umplanen müssen.

Gemeinsam schmeckt es doch am besten
Ja, danke! Aufräumen kann ich natürlich gerne alleine…

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