The Devil’s Calling

Freitag, 06.09.2024

6. Etappe Kingshouse – Kinlochleven

19 km – 411 HM

Es fiel mir heute schon etwas schwer, nach der gestrigen Unterbrechung der Wanderroutine heute weiter zu wandern. Der Reiseführer schreibt zur heutigen Etappe folgendes:

Die Etappe ist eine echte Bergetappe. Sie führt zunächst bis zum Taleingang von Glen Coe, dann über einen hohen Pass bis zum höchsten Punkt des gesamten West Highland Way und anschließend wieder auf Meereshöhe bis Kinlochleven. Der Aufstieg zum Pass erfordert etwas Kondition, ist aber ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Der Abschnitt zwischen Devil’s Staircase (einem Bergpfad mit vielen treppenartigen Steinen bis auf fast 550m Höhe) und Kinlochleven liegt zum Teil sehr hoch und ist der Witterung ausgesetzt. Es gibt keinerlei Schutz gegen Wind und Regen. Bevor Sie die Tour in Angriff nehmen, sollten Sie bedenken, dass das Wetter hier jederzeit umschlagen kann und Nebel sehr häutig ist.

Da musste ich mir heute wirklich keine Sorgen machen. Hätten mich heute Morgen nicht die Midges überfallen, wäre ich fast mit kurzen Hosen gestartet.

Die Natur war heute wieder sensationell und alle Farben waren vertreten. Auf trockenerem Untergrund wuchs Heide – ein schönes violettes Bild. An den nassen Stellen wuchsen Sumpfpflanzen. Ich überquerte den ganzen Tag zahllose kleine Flüsse und Bäche.

Der Aufstieg mit den endlosen Steinstufen war zwar ziemlich knackig, aber gut machbar. Der Abstieg mit 550 HM war schon etwas anstrengend für die Knie. Da ich aber viel Zeit hatte und das Wetter herrlich war, habe ich immer wieder Pausen eingelegt. Das letzte Stück führte durch Birkenwälder immer an riesigen schwarzen Stahlrohren vorbei, die so gar nicht ins Bild passen wollten.

Unterwegs kam mir ein Mann entgegen, der irgendwo seinen Geldbeutel verloren hatte und nun den ganzen Weg zurücklaufen musste. Das war heute auch immer wieder Gesprächsthema unter den Wanderern. Wie eine kleine Stille Post fragten die Leute: Hast du auch den Mann gesehen, der seinen Geldbeutel verloren hat – der Arme.

In Kinlochleven angekommen, war es noch mitten am Tag und viel zu früh zum Einchecken. Also hab ich erst mal den örtlichen Supermarkt besucht und im Park in der Sonne mein Take-away-Obst-in-Plastik gegessen und eine Cola Zero aus der 100ml-Dose getrunken (keine Ahnung, wer sich so was ausdenkt).

Die Unterkunft (wieder eine kleine Hütte) war der absolute Champion unter den „schlimmer-geht-immer“ Unterkünften. Wahrscheinlich war dort seit zwei Jahren nicht mehr geputzt worden. Ich war ja mittlerweile wirklich abgehärtet, aber das war wirklich unerträglich. Also bat ich die Mitarbeiterin freundlich aber bestimmt, in meiner Hütte eine kleine Putzaktion durchzuführen, was sie beim Anblick des Bodens auch kommentarlos tat.

Zur Belohnung gab es heute chinesisches Curry (ein Tipp des Jungen von gestern) und bis spät abends draußen sitzen (natürlich mit Moskitonetz). Morgen ging es dann auf die letzte Etappe. Die Wettervorhersage war gigantisch. Seit ich meine Schuhe eingefettet hatte, wurde das Wetter immer besser.

Nett hier
Juhuuuu – endlich kurze Hose
What a view
Heute mal Chinesisch
Ohne Worte

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