Leben und leiden in der Natur

07.09.2023

Vier Tage Digital Detox im Strathcona Provincial Park liegen hinter uns und nun sind wir auf dem Weg nach Tofino. In den letzten Tagen haben wir mehr als deutlich erfahren, was es heißt, mit der Natur zu leben – aber auch zu leiden. Doch der Reihe nach.

Nach unserem schönen Tag am Mowat Bay haben wir uns von unserem Taxifahrer direkt zum Supermarkt fahren lassen, um uns einen Fußmarsch zu ersparen. Wohnmobilfahren lehrt effizientes Planen und Denken.

Da es beim Aufstehen nicht so sonnig aussah, haben wir den Sonntagvormittag mit gammeln und lesen verbracht. Mittags hat das schlechte Gewissen aber doch gesiegt und wir sind zu einer kleinen Wanderung aufgebrochen. Online fanden wir einen 5,5 km langen Wander-Loop durch die Wälder des Willingdon Beach Parks. Also Rucksack gepackt und rein in den Wald. Ich war gerade noch mit der Wanderkarte auf meinem Handy beschäftigt, als von links auf einmal scharf die Luft eingezogen wurde. Verwundert schaute ich auf und da saß ein Schwarzbär mitten auf dem Weg und guckte uns an. Unsere erste Reaktion: Umdrehen und weg marschieren. Achso – nee. Man soll dem Bären ja nicht den Rücken zuwenden. Also alle Mann umgedreht und rückwärts weitergelaufen. Puh – geschafft. Irgendwann hatte der Bär genug von uns und verschwand in die entgegengesetzte Richtung. Hm. Ja. Ich wollte schon immer mal einen Bären sehen. Aber jetzt so ohne Vorwarnung war ich auch nicht vorbereitet. An die Bärenglocken hatte natürlich keiner von uns gedacht. Warum auch? Schließlich war der Campingplatz nur so gepflastert mit Bärenwarnschildern und -plakaten. #typischtouri. Also kam mal wieder meine Getränkeflasche als Glocke und Caros-Rucksack-Pfeife zum Einsatz. Ziemlich achtsam wanderten wir die restlichen Kilometer weiter. Leider haben wir keinen weiteren Bären mehr gesehen, den wir hätten fotografieren können. Ihr, liebe Leser, müsst mir diese Geschichte also auch ohne Fotobeweis glauben.

Unsere Reise entlang der Sunshine Coast ging am Montag zu Ende. Nächstes Ziel: Vancouver Island. Die Insel ist riesig. Und so haben wir lange überlegt, wie unsere Route für die nächsten Tage aussehen soll. Als erstes Ziel haben wir uns den Strathcona Provincial Park ausgesucht.

Da wir weder für die Fähre noch für den Campingplatz am Buttle Lake eine Reservierung vornehmen konnten, wollten wir schon früh los, um die erste Fähre zu erwischen und einen hoffentlich guten Platz auf dem Campingplatz zu bekommen. Das hieß: Abfahrt 5:45 Uhr. Zuerst mussten wir aber noch einen Kampf mit dem Abwasserschlauch ausfechten. Der hatte nämlich erstens ein kleines Loch und wollte zweitens nicht mehr zurück in die Vorrichtung. Beides konnten wir dann aber mit vereinten Kräften und einer Rolle Panzertape beheben. Der Rest des Tages war dann ein Durchmarsch. Fähre um 8 Uhr – check. Eine passende Tankstelle finden – check. Supermarkt, Apotheke, Liquid Store (mit der gewünschten Cider-Marke im Angebot) – check. Platz direkt am Wasser in der ersten Reihe auf dem Campingplatz – check check check und das für 20 CAD die Nacht. Juhuuu.

Dort angekommen, wollten wir nur kurz über den Campingplatz und einen Weg zum Strand laufen. Dieser Weg entpuppte sich jedoch als kilometerlange Wanderung durch die kanadischen Wälder. Hatten wir auf der Hinfahrt noch im Reiseführer gelesen, dass die Wanderwege hier im Park immer schlecht ausgeschildert sind und man sich auch wegen des fehlenden Handyempfangs nie ohne Essen, Trinken und warme Kleidung auf den Weg machen sollte. Wir hatten natürlich nichts davon dabei. Und natürlich auch keine Bärenglocke. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass man auch beim dritten Mal nichts aus seinen Fehlern lernt. Da wir irgendwann nicht mehr wussten, wie lange der Trail noch ging bzw. ob wir überhaupt noch auf dem Trail waren, drehten wir irgendwann um und kämpften uns zum Anfang zurück. Den Abend verbrachten wir offline mit den besten selbstgebackenen Taccos, Lesen und lustigen Partyspielen.

Eigentlich wollten wir am Dienstag das schöne Wetter ausnutzen und endlich mal draußen frühstücken. Leider waren wir innerhalb von Minuten von einer Wespenwolke umzingelt. Also mussten wir Hals über Kopf ins Wohnmobil umziehen. Den Rest des Tages verbrachten wir am Stand und beschlossen, noch eine Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen.

„Das war ich nicht!!!“ hörte ich noch halb schlafend den Felix mit einer Mischung aus Schmunzeln und Bestimmtheit verkünden. Mhh… Worum ging es bei dieser Diskussion zwischen Caro und Felix am frühen Mittwochmorgen? Aufstehen und nachsehen, was los ist. Und auf diese Überraschung hätte ich gut und gerne verzichten können. Im vorderen Teil unseres Wohnmobils sah es aus, als hätte jemand in der Nacht mit unserem Klopapier und der Küchenrolle eine wilde Party gefeiert. Überall lagen weiße Fetzen. Jetzt hatten wir nicht nur Mäuse in den Schränken, sondern auch im Wohnmobil. Ich ahnte Böses. In der Nacht bin ich mehrmals aufgewacht, weil es sich in meinem Ohr anhörte, als hätte sich jemand durch unser Wohnmobil genagt. Ein Blick in meine Schublade bestätigte den Verdacht. Auch hier war ein ungebetener Gast am Werk. Mein Brillenetui war komplett zerfressen. Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir damit, alle Schränke auszuräumen und alles abzukleben, was auch nur nach einer Lücke, einem Riss oder einem Loch aussah. So kann man auch seine Zeit verbringen. Ja, ich wollte Natur pur. Aber bitte außerhalb unseres Campers. 😊

Mittags liehen wir uns vom örtlichen Park-Ranger drei Kajaks aus und paddelten ein paar Stunden auf dem Buttle Lake und dem Upper Campel Lake. Außer uns war keine Menschenseele unterwegs. Ein richtig friedliches und wunderschönes Fleckchen Erde.

Auf die heutige Nacht hätte ich allerdings gut und gerne verzichten können. Denn an Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Sowohl in den Küchenschränken als auch im Inneren des Wohnmobils hatten wir heute Mäuse. Ich muss sagen, jetzt hört der Spaß wirklich auf. Es ist einfach nur noch eklig. Wir haben kaum noch Platz, um unsere Kleidung, unsere persönlichen Sachen und vor allem unser Essen sicher zu verstauen. Das Wissen, dass in unserem Wohnmobil Mäuse sind, es überall raschelt und nagt, lässt einen nicht mehr schlafen. Und so saßen wir ab 2.30 Uhr in der Küche, kämpften gegen die Mäuse und warteten darauf, dass es endlich hell wurde und wir unsere Reise fortsetzen konnten. Wir warten immer noch auf eine Antwort von der Vermietstation. Ich werde berichten.

Bear in area!
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