West Highland Way – ein Erlebnisbericht

Wanderurlaub – mehrere Tage hintereinander nichts anderes tun, als einen Fuß vor den anderen zu setzen und dem Ziel immer ein Stück näher zu kommen. Eine Trekkingtour stand schon lange auf meiner Bucket-List. Vor allem wollte ich schon immer wissen, was so eine Langstreckenwanderung mit mir macht. Langweile ich mich zu Tode? Werde ich vielleicht so kreativ, dass mir endlich die 1-Million-Euro-Idee in den Sinn kommt? Was sagt mein Körper dazu, jeden Tag mit einem zwölf Kilo schweren Rucksack durch die Gegend zu laufen?

Der West Highland Way: 154 Kilometer und 3.500 Höhenmeter geballte Natur

Dieses Jahr war es soweit: Das Projekt Selbsttest. Als Ziel hatte ich mir den West Highland Way in Schottland ausgesucht. Wenn schon Grenzen austesten, dann aber richtig. Regen, Wind und Matsch sind wahrlich nicht meine Sache. Aber die Reiseberichte, die ich über Schottland, die Natur und die Menschen dort gelesen hatte, haben mich dann doch überzeugt.

Der West Highland Way ist einer der meist begangenen Fernwanderwege Europas. Er wird von vielen als der schönste britische Fernwanderweg bezeichnet und ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile wandern jährlich mehr als 50.000 naturbegeisterte Schottland-Fans auf dem Weg von Glasgow nach Fort William. Auf den einzelnen Etappen sollen es sogar mehr als 300.000 Wanderer pro Jahr sein. Auch im deutschsprachigen Raum ist der West Highland Way laut dem Reiseführer der bekannteste und beliebteste schottische Fernwanderweg. Jedes Jahr machen sich viele tausend Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Weg nach Schottland, um diesen Weg zu erwandern.

Da ich die Blogeinträge hier ein wenig als mein Tagebuch sehe, liegt mein Schwerpunkt bei den kommenden Berichten mehr auf den Erlebnissen als auf der Beschreibung der Landschaft. An dieser Stelle möchte ich lieber die Bilder sprechen lassen.

Gut vorbereitet ist halb gewonnen! Spontan geht aber auch…

Leider waren die letzten Wochen vor der Abreise einfach zu stressig für mich, als dass ich Zeit für die Vorbereitung gehabt hätte. Wieder einmal. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, kurz vor dem Urlaub einen Herzinfarkt zu bekommen. Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass sich einige Leute monatelang auf diese Wanderung vorbereitet hatten. Naja – bei mir mussten drei Wochen reichen. In einer Hauruck-Aktion und leicht panisch habe ich kurz vor der Abreise die Unterkünfte gebucht (dankenswerterweise mit Unterstützung). Ich wollte auf Nummer sicher gehen und nicht erst vor Ort Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Wanderkleidung und Material wurden noch am Tag vor der Abreise gekauft und der Reiseführer landete ungelesen im Rucksack. Apropos Rucksack: Der wurde am Abend vor der Abreise fünf Mal ein- und wieder ausgepackt. Aus lauter Verzweiflung über das Gewicht meines Rucksacks brach ich den Griff meiner Haarbürste ab und versuchte herauszufinden, ob die kleine Holzzahnbürste leichter ist als eine normal große Plastikzahnbürste (ja, ist sie). Am Ende kam ich auf ein Gesamtgewicht von 10 kg (ohne Wasser). Damit konnte bzw. musste ich jetzt leben.

Freitag, 30.08.2024 – von Materialtests und Männern in karierten Röcken

Heute ging es los. Den ersten Materialtest machte ich bereits im Flugzeug, als ich versuchte, den unnötigerweise an der Flasche befestigten Plastikdeckel abzureißen. Etwa die Hälfte des Inhalts (Gott sei Dank war es nur Wasser) ergoss sich über meine Hose, meinen Rucksack, den Sitz vor mir und den Sitz neben mir – inklusive der Frau, die darauf saß. Sagen wir mal so: Meine Hose war deutlich wasserabweisender als ihre. Upsi.

Am Flughafen in Edinburgh angekommen, wurde ich erst einmal mit viel Sonne und blauem Himmel begrüßt. Da machte es auch nichts aus, dass ich nicht mehr in den Bus nach Glasgow einsteigen durfte. Ich hatte mich nämlich zu spät in die Schlange gestellt. Das geht halt gar nicht. Schließlich war ich immer noch in Großbritannien – der Insel der disziplinierten Schlangesteher.

In knapp einer Stunde ging es dann Richtung Glasgow. Mein Hotel lag direkt gegenüber dem Busbahnhof und ziemlich zentral, so dass ich mich gleich nach dem Einchecken auf den Weg in die Stadt machte. Keine zehn Minuten später stand auch schon der erste Mann mit Kilt und Dudelsack vor mir. Perfekt – gleich mal einen Punkt in der Was-ich-unbedingt-sehen-muss-Liste abgehakt.

Aufgrund der Zeit konnte ich mir von Glasgow nur die Innenstadt anschauen. Die Stadt hat in den letzten Jahrzehnten viel investiert, um ihr Image zu verbessern. 1990 war sie Kulturhauptstadt Europas. Schöne Altbauten stehen neben modernen Gebäuden (laut Reiseführer architektonische Leckerbissen) – überall wurde Musik gespielt. Die Stadt war an diesem Tag voller Menschen, die flanierten und in den Biergärten der Pubs und auf den öffentlichen Plätzen die letzten warmen Sonnenstrahlen genossen. Aber wenn man genauer hinsieht, gibt es hier immer noch viele heruntergekommene und schmutzige Ecken. Vielleicht werde ich mich irgendwann einmal etwas länger mit der Stadt beschäftigen. Dann auf jeden Fall in Verbindung mit der Nachbarstadt Edinburgh.

Zurück im Hotel konnte ich noch klären, dass ich für die Zeit meiner Wanderung einige Sachen im Hotel lassen konnte. Das war natürlich super, denn so konnte ich mir etwas Gewicht auf dem Rücken sparen. Zum Abendessen gab es Snacks aus dem Supermarkt – direkt im Bett gegessen. Urlaub ist toll.

Das erste Highlight gleich am ersten Tag – ein Mann im Kilt
Der Herzog von Wellington vor der Gallery of Modern Art
Neu und alt – schön und hässlich liegen in Glasgow nah beieinander


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