Montag, 02.09.2024
3. Etappe Rowardennan – Inverarnan
25 km – 514 HM
Der Reiseführer schreibt zu der heutigen Etappe folgendes: Die Etappe führt entlang des Ostufers von Loch Lomond. Die Hauptroute führt auf einem Pfad direkt am Ufer entlang. Besonders nach Regenfällen kann der Weg die letzten Kilometer vor Inversnaid sehr rutschig sein (Anmerk. der Blogautorin: er war SEHR, SEHR rutschig UND matschig). Mit schwerem Gepäck können dann manche Abschnitte nicht einfach zu passieren sein (…). Obwohl in der Zwischenzeit viel zu seiner Sicherheit unternommen worden ist, sollten Sie diesen Abschnitt nicht unterschätzen. Es gibt immer wieder felsige Abschnitte und der schmale Pfad verläuft oft hoch über dem Wasser am zum Teil sehr steilen Ufer. Ein Fehltritt auf dem bei feuchtem Wetter rutschigen Untergrund kann fatale Folgen haben. Diese Etappe gilt als eine der schwierigeren Abschnitte des WHW.
Der dritte Trekkingtag war von Anfang an zum Abgewöhnen. Ich bin schon mit Kopfschmerzen aufgewacht. Ich hatte Muskelkater in den Beinen und meine Hüftknochen waren grün und blau vom Hüftgurt. Das Schlimmste war, dass ich seit Mitternacht aufs Klo musste, mich aber nicht getraut hatte aufzustehen, um die anderen nicht zu wecken. Wenigstens ist das Bett über mir nicht zusammengebrochen, denn die Frau hat irgendwann das Bett gewechselt. Über Nacht sind zwei Frauen in ein anderes Zimmer gezogen. Ich gebe zu, ich bin kein Fan davon, morgens Leute um mich herum zu haben. In einem Hostel ist das mehr als ungüstig. Und da es nur zwei Badezimmer für zehn Leute gab und ich sehr früh loswollte, bin ich schon um 7 Uhr aufgestanden und habe mich fertig gemacht.
Nach einem kleinen Frühstück aus Haferflocken und kalter Milch (für Porridge fehlte mir die Geduld) startete ich in einen nassen, kalten und windigen Tag. Zuerst wurde ich von einem Schwarm Midges begrüßt. Also Rucksack ab und erst einmal die Sonnenmilch durch Anti-Brum ersetzt. Dann begann es auch noch richtig zu regnen. Also Rucksack wieder absetzen und das Regencape für den Rucksack auspacken. Dann musste ich zu allem Überfluss auch noch feststellen, dass ich meine Snacks für den Tag ganz unten im Rucksack verstaut hatte. Ich war mittelmäßig genervt. Gott sei Dank gab es ein paar Meter weiter einen wirklich tollen Honest-Schrank mit allerlei Snacks.
Der Weg führte heute immer wieder durch ein Meer aus Farn. Farn so weit das Auge reichte. Ein wirklich mystisches Bild und wieder ein ganz anders als die letzten beiden Tage. Meine Regenjacke konnte ich zwischendurch für ein paar Minuten ausziehen. Pausen auf dem Weg waren heute leider nicht möglich. Sobald ich anhielt, stand ich sofort im Mides-Nebel. Einige Wanderer kamen mir sogar mit Moskitohauben entgegen. Also kehrte ich im Freebie Hotel ein. Am Eingang schlug mir sofort der unvergleichliche Geruch von unzähligen Paar nassen Wanderschuhen und zum Trocknen aufgehängten Jacken und Funktionsshirts entgegen. Ich überlegte kurz, sofort wieder umzudrehen. Aber ich musste mich dringend aufwärmen. Also trank ich einen Kaffee und eine Pepsi und versuchte, etwas zu trocknen.
Seine Wanderschuhe sollte man übrigens während einer Wanderung nicht ausziehen. Nachdem ich zur zweiten und schwierigsten Etappe des Tages aufgebrochen war, musste ich meinen linken Schuh viermal nachschnüren, bis er nicht mehr drückte.
Pünktlich zur zweiten Halbzeit fing es dann richtig an zu regnen. Der Weg war eine kleine Herausforderung, vor allem weil die Steine durch den Regen wirklich rutschig waren. Ich musste mehr als einmal klettern. Und wenn ich nicht über die Steine kletterte, stand ich im Nassen. Mal war es Schlamm, mal ein Bach, der sich gebildet hatte oder sowieso schon da war. Irgendwann merkte ich, dass mein rechter Schuh undicht wurde und meine Wanderstöcke bei jedem Schritt Geräusche machten. Es war ein schönes Naturkonzert: das Trommeln der Regentropfen, die auf meine Mütze tropften, das Schmatzen meiner rechten Socke und das Quietschen meiner Stöcke.
Der Tag wurde nicht besser, als ich im HoH (House of Horror) ankam. Das Cottage, das den unschuldigen Namen Rose Cottage trug und mich bereits im Vorfeld eine horrende Summe (Vorkasse plus 30 Euro Überweisungsgebühr) gekostet hatte, stand mitten auf der Autobahn. Die Begrüßung durch die alte Dame und ihren Sohn (evtl. Ehemann) war etwas unterkühlt, als ich nass wie ein begossener Pudel vor der Tür stand. Sofort wurde mir eine Plastikwanne hingestellt, in die ich alle meine Kleider legen sollte. Schnell entledigte ich mich der obersten Kleidungsschichten. Aus meinem rechten Schuh kam ein ganzer Schwall Wasser, der sich leider seinen Weg durch den Eingangsflur suchte.
Der Mann zeigte mir dann mein Zimmer und hier gab es dann erst einmal ganze Reihe von Anweisungen:
- Ausgangssperre ab 22 Uhr
- Frühstück nur auf Vorbestellung und sofortiger Entscheidung
- Zimmer räumen bis allerspätestens 9:30 Uhr
- WIFI gibt es nicht
- Die Dusche darf erst nach eingehender Erklärung welche Hebel wann zu ziehen und welche Knöpfe wo zu drücken sind genutzt werden.
- Kleider waschen ist ausdrücklich verboten
Als er mir dann auch noch erklären wollte, was es mit einer Tagesdecke auf sich hat, schob ich ihn dankend aus dem Zimmer. Das Zimmer war riesig, aber bis in die hinterste Ecke mit gruseligen Sachen (wie Puppen und Kuscheltieren) vollgestopft.
Ich stellte mich erst einmal unter die heiße Dusche und zog mir trockene Sachen an. Nach der ersten Begutachtung meiner Füße musste ich feststellen, dass ich mir durch den Regen und die undichten Schuhe drei riesige Wasserblasen zugezogen hatte. Aber damit musste ich mich später befassen. Ich hatte Hunger. Also wieder raus in den Regen und rein in ein Pub. Dort gab es Burger, Pommes und Cola als Entschädigung für den Tag. Außerdem kaufte ich mir beim Kiosk eine Packung Sekundenkleber. Damit wollte ich meinen rechten Schuh reparieren. Ich hatte das Gefühl, dass das Wasser durch einige Risse im Leder eingedrungen war. Fotos von dieser Etappe gibt es übrigens kaum, da ich mein Handy wegen des Regens im Rucksack hatte.
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