Samstag, 31.08.2024
1. Etappe Glasgow – Milngavie – Drymen
21,67 km – 255 HM
Die erste Nacht in Schottland habe ich wunderbar geschlafen. Gerne wäre ich noch eine Weile in dem bequemen Bett geblieben, aber ab heute war Schluss mit Luxus. Kurz habe ich mich noch am schottischen Hotelfrühstück versucht und meinen Rucksack ein weiteres Mal gepackt. Um 9:30 Uhr ging es dann los in Richtung Bahnhof. Am Fahrkartenautomaten stand gleich ein netter Bahnangestellter, der mir unbedingt helfen wollte, das richtige Ticket zu ziehen. Leider habe ich ÜBERHAUPT kein Wort verstanden. Der schottisch-gälische Dialekt, der hier gesprochen wird, ist teilweise wirklich schwer zu verstehen. Irgendwann habe ich dann aber herausgefunden, dass er sich über meinen Versuch, den Zielort Milngavie richtig auszusprechen, ziemlich lustig gemacht hat. Man spricht es nämlich ungefähr so aus: Mull-guy.
Am Bahnhof entdeckte ich gleich die ersten Menschen, die wohl auch den West Highland Way als Ziel hatten. Und ich bekam zum ersten Mal eine Vorahnung, dass ich die nächsten Tage wohl nicht in absoluter Einsamkeit verbringen würde.
In Milngavie angekommen, musste ich erst einmal in einem zuckersüßen Café anhalten und mich mit Kaffee und kleinen Schweinereien eindecken. Beim Wandern gilt ja bekanntlich die Regel: Essen kaufen, wenn man kann und nicht wenn man muss (kann man übrigens auch 1:1 für den Toilettengang adaptieren).
Der offizielle Startpunkt des West Highland Way ist eine gut 2,5 m hohe Granitsäule in der Fußgängerzone. Auf ihr ist die schottische Distel eingemeißelt, die auch als Emblem für den Wanderweg dient. Schnell noch das obligatorische Startfoto geknipst, den Rucksack nochmal zurecht gezogen und dann hieß es: Abmarsch.
Die erste Etappe führte auf guten Wegen außerhalb des Stadtgebietes durch leichtes Gelände und bot keine Schwierigkeiten. Laut Reiseführer eine ideale Strecke zum Einlaufen. Und so war es auch. Das Wetter war bombastisch und ich hätte mir am liebsten die Hosenbeine abgezippt. Aber da leider wirklich viele Leute auf der Strecke waren, fühlte ich mich etwas getrieben. Ich merkte, dass ich noch nicht ganz im Urlaubsflow angekommen war.
Unterwegs musste ich einige matschige Stellen überqueren. Ich versuchte, meine frisch geputzten und eingecremten Schuhe so sauber wie möglich zu halten. Jeder Dreckspritzer ärgerte mich ein bisschen. Wenn ich gewusst hätte, wie meine Schuhe zwei Tage später aussehen würden, hätte ich über die kleinen Pfützen nur laut gelacht.
Die erste Herausforderung dieser Reise kam auch prompt: Wie bekomme ich ein Gatter auf? Ich stellte mich wirklich ziemlich blöd an und musste warten, bis das ewig quatschende Pärchen, das ich extra überholt hatte, kam und mir half.
Gegen Mittag kam ich an einem nett aussehenden Restaurant mit großem Außenbereich vorbei und kehrte spontan ein. Leider waren die Pommes nicht wirklich nach meinem Geschmack. Aber gut, sie konnten ja nicht wissen, dass sie es bei mir mit einem Pommes-Sommelier zu tun hatten.
Um Punkt 15 Uhr kam ich in Drymen an. Am Eingang zum Angel Cottage stand ein großes Schild, dass man bitte nicht vor 16 Uhr stören soll. #gastfreundschaft Also habe ich mich noch eine Weile vor ein Café gesetzt, Kaffee getrunken und gelesen. Das Wetter war immer noch richtig sonnig und warm. Das Cottage war wirklich wunderschön. So wie man es sich in den Rosamunde-Pilcher-Filmen vorstellt. Es sollte auch das erste und letzte schöne dieser Art auf dieser Reise sein.
Das Abendessen war ganz traditionell mit Burgern an der Bar des örtlichen Pubs. Es war dort so laut, dass man seine Bestellung schreien musste.
Im örtlichen Supermarkt kaufte ich mir noch einen Cider. Weniger aus Durst, sondern um endlich Kleingeld zu haben. Heute kam ich immer wieder an kleinen sogenannten Honest-Boxen und -Schränken vorbei, in denen allerlei wirklich leckere selbstgemachte Backwaren angeboten wurden. Leider musste ich an allen vorbeigehen, da ich nur große Scheine dabeihatte. Der Mann an der Supermarktkasse meinte es etwas zu gut mit mir. Jetzt hatte ich Kleingeld mit dem gefühlten Gewicht eines Backsteins im Geldbeutel. Wie gut, dass ich heute Morgen die Schirmhülle im Hotel gelassen hatte, um 5 Gramm Gewicht zu sparen.
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