Von Selbstzweifeln und einem Meer in Flammen

27.07.2023

Schluss mit lustig! Ich wusste gar nicht mehr, wie anstrengend Schulbankdrücken sein kann. Ich muss sagen, es ist wirklich herausfordernd. Das Unterrichtstempo ist sportlich und das Niveau ist ziemlich hoch, da die meisten Schüler schon seit Monaten in dieser Klasse sind. Die ersten Tage waren wirklich deprimierend und ich voller Selbstzweifel, ob das Level für mich das Richtige ist. Das Gefühl, eine der Schlechteren in der Gruppe zu sein, nach meiner Rückkehr nicht perfekt Englisch sprechen zu können und die Angst zu versagen haben mir ordentlich zugesetzt. Und will ich das? Es sind schließlich meine Ferien und das Ganze soll Spaß machen und nicht in Arbeit oder Stress ausarten. Ich habe auch viel darüber nachgedacht, in ein niedrigeres Niveau zu wechseln. Aber ist es dann nicht zu einfach? Lerne ich dann genug? Bin ich dann gescheitert? Ein paar Gespräche mit den anderen Schülern und meiner Lehrerin haben mich etwas beruhigt. Ich merke, dass ich mich wieder einmal unnötig unter Druck setze und es am Anfang für alle schwer war. Nach den ersten vier Tagen ist es schon etwas leichter geworden. Trotzdem habe ich mit mir und den Lehrern vereinbart, nächste Woche zu entscheiden, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

So, genug mimimi – jetzt zu den anderen aufregenden Dingen der letzten Tage.

Es ist wirklich toll, Menschen aus aller Welt zu treffen. Man lernt und hört – ohne dort zu sein – viel über andere Kulturen, Sitten, Bräuche, Lustiges, Bewegendes, Überraschendes und das eine oder andere Klischee wird auch bedient. In meiner Klasse sind Schülerinnen und Schüler aus Marokko, Brasilien, Japan, Chile, der Schweiz, der Ukraine, Taiwan und noch anderen Ländern. Wir sprechen alle verschiedene Sprachen und trotzdem können wir uns untereinander verständigen, zusammen lachen und diskutieren. Ist das nicht genial? Wir haben viele lustige Stunden zusammen. Der Unterricht ist wirklich spannend und macht viel Spaß. Im Gegensatz zur Schule sind alle motiviert und mit viel Engagement bei der Sache. Dadurch ist der Unterricht sehr lebendig und interessant.

Abseits der Schule hat sich Vancouver nach einer kurzen Regenepisode Anfang der Woche jetzt auch wieder von seiner besten Seite gezeigt. Das Wetter ist bombastisch und so war ich gestern beim Open Air Yoga am Canda Place. Gefunden habe ich das auf meiner Lieblingswebseite für Events in Vancouver miss604.com. Da musste ich natürlich sofort hin. Eine Yogamatte hatte ich mir für 3 $ bei Dollorama gekauft.* Die Matte ist wirklich kein Luxusprodukt, aber sie tut hoffentlich ihren Dienst bis zum Ende der Reise. Pünktlich um 18 Uhr stand ich auf der Promenade des Canda Place. Eine wirklich tolle Yogalehrerin hat durch den Kurs geführt. Eine Stunde lang saß bzw. turnte ich bei Sonnenschein und einer leichten Brise auf meiner Yogamatte und genoss nebenbei einen beeindruckenden Blick auf die Berge, Vancouver Harbour, Burrard Inlet und die umliegende Skyline der Stadt. Nur die ab und zu aufsteigenden Hubschrauber brachten etwas Unruhe in die Stunde. Aber das gab dem Ganzen einen ganz besonderen Vancouver-Touch. 😉

Nach der Yoga-Stunde bin ich direkt weiter zur English Bay geradelt. Einige aus der Schule haben sich am Sunset Beach getroffen, um das Feuerwerk beim Celebration of Lights Festival anzuschauen. An insgesamt vier Tagen wetteifern unterschiedliche Länder um das beste Feuerwerk. Gestern zeigte Marokko mit einer beeindruckenden 30-minütigen Feuer- und Musikshow, was es drauf hat. Es war wirklich grandios. Tausende Menschen haben gesungen, getanzt und waren gut gelaunt. Es war ein Fest. Auf dem Heimweg war ich sehr froh, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Einige meiner Klassenkameraden mussten eine Stunde und länger auf einen Bus oder ein Uber warten.

*Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, habe ich das gesparte Geld in einem neu entdeckten Bio-Supermarkt für allerlei überteuerte regionale und nachhaltige Produkten ausgegeben.

So, jetzt werde ich noch ein bisschen den Unterricht von heute wiederholen. Für die Vertiefung der gelernten Vokabeln ist es heute zu spät. Aber ich werde das Vokabelheft unter mein Kopfkissen legen. Habe gehört, das soll wunderbar funktionieren. I will keep you posted.

Erst die Arbeit…
Yoga am Canada Place (heimlich fotografiert, als die Lehrerin gerade nicht geschaut hat)

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Kommentare

2 Antworten zu „Von Selbstzweifeln und einem Meer in Flammen“

  1. Avatar von Birgit Haberstroh
    Birgit Haberstroh

    Kind setz dich bloß nicht unter Druck! Den hast du Zuhause genug! Es soll Spaß machen und wenn man dabei etwas lernt ist das super! Du weißt doch du bist klasse, was willst du mehr!! Du wirst doch nicht an dir zweifeln!! Kommt nicht in Frage! Drückerle Mama

  2. Avatar von Ruth
    Ruth

    Don’t worry at all, you can do it. I know you.

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